E2, D1 – und Funino: Meine ganz persönliche Meinung

Pflichtspiele nur noch als Funino? – Es geht auch anders …

Von Andreas Schaper

Zunächst ein Blick zurück:
WM-Vorrunde 2018, Deutschland scheidet aus – boah, alles ist schlecht. Schnelle, wendige, technisch starke Spieler mit Zug zum Tor und Torabschluss fehlen.
Lösung: Spielen wir doch wissenschaftlich durchdachtes Funino – und alles wird gut …


Ist das wirklich so?
Was man heute Funino nennt, war schon vor Jahrzehnten Bestandteil vieler
Trainingseinheiten: 3 gegen 3 oder 4 gegen 4 auf je 2 oder 3 Tore – Friedhelm Gurnicke, Wolfgang Schwarzbach, Armin Falkenhain, und, und, und, sei Dank.


Und jetzt plötzlich, im unteren Jugendbereich, das gesamte Fussball-Konzept ändern: Pflichtspiele auf Minitore ohne Torhüter? All das, was den Fussball attraktiv macht, beiseite werfen?
Was kann schöner sein, als einen Schuss in den Winkel zu jagen? Oder einen Torwart fliegen zu sehen? Eine Flanke in das Tor zu wuchten, dass das Netz zappelt?
Nichts. Zumindest für mich nicht. Eine solche Entwicklung würde mir als Trainer jeglichen Spaß an meinem Sport nehmen. Wo bleibt die Freude daran, einen Nachwuchstorwart durch gezieltes Training in seiner Entwicklung zu begleiten?
Kann man doch trotzdem machen? Ja klar, aber wofür denn? Offensichtlich braucht man den
ja erstmal nicht mehr.


Aber die Kinder mögen es? Ja, kein Problem. Dann eben ins Training einbauen – wie gesagt, hat früher auch schon funktioniert.


Ein Blick in die Zukunft:
WM 2024: Deutschland scheidet wegen mehrerer Torwartfehler in der Vorrunde aus: Was dann?
Spielen wir dann auf extra große Tore mit jeweils zwei Torhütern, weil uns dann im Tor die Qualität fehlt?
Vor einigen Jahren hatten wir mal die Qualitätsdiskussion wegen unserer Abwehr. Dann fehlen uns mal die Mittelstürmer, Jahre später braucht man die gar nicht mehr. Mal sucht man händerringend die 10er, kurz drauf sind sie überflüssig.


Otto Rehhagel sagt dazu: Alles Kokolores.
Wir beim FC haben kürzlich einen anderen Weg ausprobiert: Wir spielen „echten“ Fussball und trainieren zusatzlich Funino.

In einem Pilot-Training im Januar 2020 haben erstmals die E2 und die D1 miteinander am Samstagvormittag zusätzlich trainiert.
Erst gemeinsames Aufwärmen, um Hemmschwellen zu überwinden:

Und dann eine Stunde Funino-Power im Spiel 3 gegen 3 auf 4 Tore.

Nun gilt es für die Trainer, das heute Erlernte in das „echte“ Spiel zu integrieren.
Und daran arbeiten wir weiter.
Denn mal ehrlich: Auch der Bundes-Jogi muss am Ende des Tages mit 11 gegen 11 spielen auf die üblichen Tore.


Oder wir schlagen ihm und der UEFA und FIFA mal vor, ein großes Turnier mit 5 gegen 5 in einer Hälfte auf 4 Tore zu spielen – ganz kleine Tore und Neuer, ter Stegen, Trapp und Co. sitzen auf der Tribüne – Hände weg von unserem Silberbesteck !


Wie gesagt, nur meine persönliche Meinung …
Euer Andreas Schaper

PS: Schreibt man funino groß oder klein – oder mit „h“? Ist mir egal, es heißt 3 gegen 3 auf 4 Tore. 😊

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