Auf ein Wort mit Willi Gramann: Kurzinterview mit dem Trainer der 1. Herren

Hallo Willi!
Ich (Andreas Schaper) kenne dich noch aus einer Zeit, in der du in gelbem Trikot und schwarzer Hose unterwegs warst. Zeiten, in denen man noch nicht mal ein gelbes T-Shirt zur Schule angezogen hat, wenn man selbst ein Roter war.
Erzähl mal aus der Zeit vor dem Trainer Willi Gramann, aus deiner Jugendzeit vor allem bei
06: Trainer, Manschaftskameraden, Erfolge, Enttäuschungen, Highlights …

Meine Eltern haben mich mit 5 Jahren beim SV 06 Lehrte angemeldet, da ich zu diesem Zeitpunkt bereits schon mehrere Fenster bei uns und unseren Nachbarn zerschossen hatte. Es war schon eine schöne Zeit bei 06 und ich habe bei vielen Trainern trainiert z.B. Willi Messerschmidt, Hartmut Neu, Peter Müller, Holger Biester, Frank Neumärker oder auch
Michael Elfert um nur einige zu nennen. Ich hatte viele coole Mitspieler und auch Könner – da könnte ich einige nennen.

Dann zum Trainer Willi: Wie kamst du dazu? Was waren die ersten Schritte? Wie wurde daraus der lizenzierte Trainer?

Ich habe mich bei einem Spiel gegen TSV Stelingen schwer verletzt. Mein Schienbein, das Wadenbein und der Knöchel waren gebrochen sowie der komplette Abriss meiner Bänder.

Dies geschah drei Monate vor meiner Hochzeit. Im Alter von 30 Jahren habe ich meine B-Lizenz erworben und wurde dann Trainer der Herren beim SV 06 Lehrte.

Wie gehst du heute persönlich mit der Rivalität um? Wo man jahrelang gespielt hat, ist man doch mit Sicherheit ebenso mit dem Herzen verbunden wie dort, wo man so lange als Trainer gewirkt und bewirkt hat, wie du. Und dann kommt sowas wie das Derby zurück. Erzähl mal aus deiner Gefühlswelt.

Als Spieler war ich immer ein echter 06’er in den Derbys, in denen es immer hoch herging. Auch als Trainer bei 06 und FC durfte ich beides miterleben und war natürlich immer mit Herzblut bei dem Verein, wo ich gerade tätig war.

Heute sehe ich alles ein wenig lockerer, aber die letzte Derby- Niederlage ärgert mich sehr. Wir haben an diesem Tag unfassbar schlecht gespielt.

Haken wir das Derby schnell ab: Deine Erfolge beim FC sind deutlich umfangreicher, als mal
so eine Niederlage zwischendurch. Topereignis Landesliga-Aufstieg?

Ja, auf jeden Fall. Aber auch die anderen Erfolge waren Highlights für mich. Ich habe den FC Lehrte damals in der Kreisliga übernommen. Es folgte der Aufstieg in die Bezirksklasse und der direkte Weiteraufstieg in die Bezirksliga. Dies waren auch sehr schöne Ereignisse. Wir holten damals gleich im ersten Jahr das Double als Meister und Pokalsieger. Das war schon eine außergewöhnliche Saison mit vielen schönen Feiern.

Das traurigste/enttäuschendste Kapitel deiner Zeit als FC-Trainer?

Defenitiv der Abstieg aus der Landesliga. Wir haben lange dafür gekämpft und dann dieser unnötige Abstieg.
Mit 32 Punkten haben sich sonst Mannschaften immer gerettet.

Wo würdest du den Verein gerne mittelfristig sehen? Was sollte sich ändern? Was MUSS
sich ändern? Was sollte wir uns bewahren? Lass uns an deiner „Vision“ teilhaben.

Ganz klar in der Landesliga. Die Trainingsbedingungen müssen sich auf jeden Fall unbedingt und schnellstens verändern. Wenn man mal überlegt, das wir nur 4 Monate im Jahr auf dem Platz trainieren können, ist dies eindeutig eine ganz schlechte Situation.
Jetzt mit dem Kunstrasenplatz wird hoffentlich alles besser. Natürlich ist aber auch eine gute Jugendarbeit ganz wichtig,
damit talentierte Spieler für die 1. Herren gewonnen werden können.

Stellen wir uns mal vor, es wären Sommerferien 2020, eine ganz normale Saison in der
Bezirksliga steht bevor: Wie plant der Trainer Willi Gramann unter Gesichtspunkten der
Trainingslehre sein Vorbereitungsprogramm. Was steckt da für Aufwand drin? Was ist zu
berücksichtigen? Was ändert sich da im Vergleich zum Vorjahr? Stichwort neue Reize etc.
Oder holt man nach so vielen Jahren Erfahrung die Pläne vom Vorjahr raus?

Natürlich müssen die Abläufe in der Vorbereitung nicht immer gleich sein, aber es muss natürlich eine genaue Reihenfolge eingehalten werden:

Kraftausdauer, Grundlagenausdauer, Schnelligkeitsausdauer, Schnelligkeit, taktische Elemente und natürlich gehören auch Vorbereitungsspiele dazu.

5-6 Einheiten in der Woche über einen Zeitraum von 6 Wochen, müssen schon sein. Ganz wichtig: Der Rodelberg ist auf jeden Fall immer dabei.

Wenn man heutzutage auf den gängigen Sendern die Spielanalysen der Experten und Ex-Trainer an den Taktiktafeln sieht, könnte man meinen, Fußball ist das schwerste Spiel der Welt geworden. Ein System jagt das Nächste und wird – schon während des laufenden Spiels – wieder von dem darauf verfolgt. Oder mit Scholli zu kommen: „… können sie 18 Systeme rückwärtslaufen und furzen.“ Wie ist deine Meinung dazu? Wie reagierst du auf unterschiedliche Spielphasen?

Talent und Fitness stehen an erster Stelle der Spieler und natürlich auch die Einstellung, um ein Spiel unbedingt gewinnen zu wollen.
Es gibt natürlich viele verschiedene taktische Varianten die im Amateur Fussball wichtig sind. Letztendlich ist meine Meinung, das Taktik 30% des Spiels ausmachen, denn Siegeswille und Einstellung der Mannschaft können Berge versetzen.
Natürlich gehört aber eine taktische Grundordnung dazu.

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