Moritz Beußhausen – Kreisauswahltrainer Jahrgang 2010:

Hallo Herr Beußhausen,

schön, dass Sie sich ein paar Minuten Zeit für uns nehmen. Ich habe Sie im Frühjahr kennengelernt als Auswahltrainer des Jahrgangs 2010 (E-Junioren). Erzählen Sie uns von Ihrem fußballerischen Werdegang.

Ich habe von der F-Jugend bis zur Herren in meinem Heimatort Bodensee (Landkreis Göttingen) Fußball gespielt. Nach meinen ersten zwei Jahren im Herrenbereich bin ich nur zwei Orte weiter zum TSV Wulften gewechselt und habe dort mehrere Jahre auf Bezirksebene gespielt. 2014 wechselte ich zurück nach Bodensee wo ich im zweiten Jahr als Spielertrainer aktiv war.

Beruflich zog ich im Sommer 2016 nach Hannover und bin seit dem als Trainer beim SC Hemmingen-Westerfeld aktiv. Zu nächst im Jugendbereich und aktuell bei der 1. Damen in der Landesliga.

Neben dem Beruf und den Trainertätigkeiten bleibt leider keine Zeit um selbst noch aktiv am Ball zu sein.Seit 2017 bin ich als Kreisauswahl-Trainer tätig.

Was macht das Arbeiten für den NFV so besonders?

Mir bereitet es große Freude mit jungen Fußballern auf dem Platz zu stehen und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen und zu fördern. Desweiteren schätze ich sehr den fachlichen, als auch persönlichen Austausch innerhalb des Qualifizierungsausschusses der Region Hannover, zu dem die Talentförderung gehört, sowie mit den Jugendtrainern der vielen Vereine.

Wie ist das Sichtungsverfahren in der Region Hannover organisiert?

Alle Vereine in der Region Hannover werden dazu aufgefordert, ihre talentiertesten Spieler des jeweiligen Jahrgangs bis zum einem Stichtag an uns zu melden. Für die Sichtung wurde die Region in drei Bereiche eingeteilt (Nord, West, Süd/Ost) und jeder Verein einem Bereich zugeordnet.  Die jeweiligen Kreisauswahl-Trainer laden die gemeldeten Spieler über die Vereine und den Trainer zu den Trainingseinheiten ein. Die ersten Monate werden zum gegenseitigen Kennenlernen und der Sichtung genutzt. Nach und nach wird die Anzahl der Spieler reduziert, mit dem Ziel im zweiten Jahr mit ca. 35 bis 40 Spieler pro Bereich in der Förderphase zu trainieren.

Haben Sie das Gefühl, alle Talente auf dem Radar zu haben?

Neben der Meldung durch die Vereine sichten wir z. B. beim Sportbuzzer Hallenpokal oder Punktspielen, um talentierte Spieler, die bisher nicht gemeldet worden sind, zu entdecken.  Auch gibt es jedes Jahr eine Vielzahl von Vereinen die gar keine Spieler melden. Hier suchen wir den Kontakt zu den Vereinen und dem verantwortlichen Trainer, um auf die Kreisauswahl aufmerksam zu machen. Dadurch erreichen wir schon eine große Abdeckung, aber natürlich gibt es auch immer wieder die unentdeckten Talente, die bei uns durchrutschen. Man darf auch nicht vergessen, dass die Spieler erst am Beginn ihrer Entwicklung stehen.

Ist denn nach Abschluss der Sichtungen die Tür überhaupt noch geöffnet? Ich denke da an Spieler, die vielleicht länger krank oder verletzt waren und nicht teilnehmen konnten. Oder an solche, die vielleicht aus subjektiven Gründen, gar nicht erst von ihren Vereinen gemeldet wurden? Oder die, die ihr persönliches Leistungsvermögen nicht abrufen konnten?

Die Aufgabe der Kreisauswahl ist die Sichtung und Förderung vontalentiertenSpielern, um eine Vorauswahl für die DFB-Stützpunkte zu treffenund sie auf diesen vorzubereiten. Nach zwei Jahren Kreisauswahl ist der Stützpunkt der nächste Schritt in der Talentförderung. Neben der Kreisauswahl dient hier der alljährliche Sparkassen-Cup als großes Sichtungsturnier für die Stützpunkt-Trainer.Hier kann sich jeder Spieler für den Stützpunkt empfehlen, auch ohne vorher zwei Jahre Kreisauswahl zu spielen.  Ebenso wird jeder gemeldete Spieler mehrfach von uns zu den Trainingseinheiten eingeladen. Somit versuchen wir den Spielern ausreichend Möglichkeiten zu geben sich zu zeigen. Durch den Austausch mit den Vereinstrainern ergeben sich auch immer wieder Hinweise auf bisher nicht entdeckte talentierte Spieler, die dann eventuell die Möglichkeit erhalten sich für die Kreisauswahl zu empfehlen.

Das Anforderungsprofil: Was erwarten Sie von einem Spieler, den Sie in die Auswahl berufen, mindestens? Welche Eigenschaften muss ein Spieler fußballerisch, menschlich, athletisch etc. mitbringen?

Ein großes Augenmerk legen wir auf die Beherrschung der technischen Fertigkeiten in den Grundtechniken, wie Dribbeln, Passen, Fintieren,Torschuss. Dies setzt eine ausgeprägte Ball-und Bewegungsgeschicklichkeit, sowie eine gute Koordination und Schnelligkeit voraus. Neben den Grundtechniken steht das Verhalten im 1 gegen 1 im Fokus, sowie das schnelle Erfassen und Reagieren auf neue Situationen. Desweiteren zeichnet sich ein Talent durch Kreativität und Spielfreude aus. Im menschlichen Bereich sollte neben einem gesunden Selbstvertrauen eine große Willensstärke und Motivation vorhanden sein.

Was sehen Sie bei einem Spieler als absolutes No-Go? Welche Grenzen dürfen nicht überschritten werden?

Neben den fußballerischen Fertigkeiten achten wir auch auf die Einhaltung von Fairplay, Toleranz und Respekt gegenüber allen Beteiligten. Sollte ein Spieler durch mangelnde Toleranz, Respekt und mehrfaches unfaires Verhalten auffallen, ist dies ungeachtet seiner fußballerischen Qualitäten ein No-Go und mitden Eigenschaften eines Talents nicht vereinbar.

Von unseren Spielern vom FC Lehrte hat es keiner in die Endauswahl geschafft. Schade, aber sicher auch berechtigt, wenn man objektiv zugeschaut hat. Was ich mir als Trainer gewünscht hätte, wäre eine persönliche Einschätzung dazu gewesen. Natürlich wäre das ein großer Aufwand. Andererseits hatten die Kinder und Eltern den auch (zugegeben, ich sage dies, weil ich natürlich die Gefühlslage unserer Jungs kenne). Ich glaube, im Sinne der Talentförderung könntees nicht schaden, jedem Spieler, der es nicht geschafft hat, eine Einschätzung zu geben, was er verbessern sollte. Wie ist ihre Meinung dazu?

Ich kann diesen Wunsch nachvollziehenund dieser Punkt wurde auch schon öfters unter den Kreisauswahl-Trainern diskutiert. Jedoch ist es uns zeitlich nichtmöglich für jeden Spieler eine Einschätzung zu erstellen. Alle Trainer sind ehrenamtlich aktiv und haben neben dem Beruf häufig auch noch eine Vereinsmannschaft. Bei rund 100 Spielerndie jedes Jahr pro Bereich gemeldet werden, wäre der zeitliche Aufwand sehr groß.

Was sollte der ambitionierte, junge Fußballer in dieser Zeit des Stillstands mindestens tun, um „dabei“ zu bleiben?

Grundsätzlich finde ich es sehr wichtig, dass sich die jungen Spieler in der aktuellen Situation regelmäßig bewegen, dies muss nicht unbedingt fußballspezifisch sein. Viele unterschiedliche Bewegungsaufgaben und –formen verbessern die Bewegungskoordination. Vor allem Bereiche wie Koordination undkognitives Training finden im Trainingsalltag sehr wenig Platz. Diese Aspekte sind aber gerade für junge Spieler wichtigund können in der aktuellen Situation trainiert werden. Hier bietet das Internet sehr viele Ideen zur Umsetzung, z.B. Lifekinetik, Coerver@home, ALBA Berlin tägliche Sportstunde.

Vielen Dank, Moritz, dass Sie sich zeit genommen haben. Wir wünschen Ihnen persönlich alles Gute für die Zukunft. Und viel Erfolg mit dem Jahrgang 2010.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


The maximum upload file size: 5 MB.
You can upload: image, audio, video, document, spreadsheet, interactive, text, archive, code, other.
Links to YouTube, Facebook, Twitter and other services inserted in the comment text will be automatically embedded.